Beziehungsende

Beziehungsende

10923636_1585695351668108_918098092787516186_oWie schön, dass ich in den letzten drei Jahren so viel lernen durfte. Aufs Herz hören ist wichtig. Loslassen auch. Hab ich alles auch das ein oder andere Mal schon mehr oder weniger gut hinter mir. Und jetzt wo es wieder soweit ist, finde ich es einfach nur blöd. Ich finde es blöd, dass ich mich nicht selber verarschen und meine Gefühle ignorieren kann. Ich finde es blöd, meinem Lieblingsmenschen aus den letzten fünf Jahren sagen zu müssen, dass sich bei mir bzw. bei uns etwas verändert hat und ich das Gefühl habe, dass es für uns beide besser ist getrennte Wege zu gehen. Muss das auch immer bedeuten, dass man sich nicht mehr sieht? Ich finde den Satz „Freunde bleiben“ gar nicht so doof wie anscheinend ein großer Anteil der Gesellschaft. Immerhin ist es genau das, wohin sich die Beziehungen oftmals entwickeln. Und wie schön ist das denn bitte? Wenn man nicht im Streit sondern in Freundschaft auseinander geht.

Ich erinnere mich daran, wie ich im Januar gefragt wurde, ob wir nur noch Freunde seien und wie ich daraufhin abgegangen bin. Das war das erste Mal, dass ich mich gefragt habe ob wirklich alles ok ist. Warum sollte ich auf etwas so anspringen, wenn alles „cool“ ist. Doch den Gedanken habe ich so schnell weg geschoben wie er gekommen war. Weg, weg, weg, Ist doch Quatsch. Dann kamen immer wieder Momente, in denen der Gedanke auftauchte. Und natürlich sofort wieder weg geschoben wurde. Wie konnte ich nur sowas absurdes denken.

Dann tauchten plötzlich immer wieder Spannungen auf, die wir vorher so nicht kannten und an einem besonders intensiven Tag habe ich bei einem Gespräch in meiner bockigen Resignation einfach den Satz fallen lassen, dass unsere gemeinsamen Aufgaben (von denen wir diverse in den letzten Jahren hatten) vielleicht auch einfach vorbei und wir nur noch Freunde sind. Und an diesem Tag stürmten die Gedanken mit voller Wucht wieder in mein Bewusstsein. Zusammen mit einer Blaskapelle die diesmal nicht so einfach zur Seite zu schieben war. Ich weinte und weinte und konnte mich an dem Tag nicht mehr einkriegen. Ich merkte, dass ich anfing, ihn verändern zu wollen. Und dies ist niemals ein gutes Zeichen für eine Beziehung.

Kurze Zeit später bekam ich eine klare Ansage, dass er sich nicht verändern ließe, egal was ich davon halte. Bums. Wieder ein Level abgeschlossen in der Lektion Selbstliebe und ich merkte plötzlich, wie sich in mir etwas auflöste. Der Drang ihn verändern zu wollen war weg und ich dachte „Ahhhh, so ist das also, wenn man dem einen eine Seelenlektion verpasst und es sich dann auflöst“. Dann war ja nun alles wieder bestens. High Five. Wir sind ja wohl mal wieder die geilsten!

Ein paar Wochen gingen ins Land. Plötzlich überkam mich eine solche Sehnsucht, ein solches Vermissen, dass ich mich zusammen reißen musste um nicht in Tränen auszubrechen, wenn wir uns verabschiedeten. Einige Tage dachte ich, dass sei ein Zeichen dafür, dass wir wieder zusammen ziehen sollten. Ein anderer kleiner Gedanke war, ob dies eventuell die Trennungswehen sind. So ein Blödsinn. Weg. Weg, weg weg…. Ich bin verliebt und vermisse meinen Freund. Alles andere ist Quatsch.

Und plötzlich fängt dieser Gedanke auch noch an in mir von einem Samen zu einer Pflanze heranzuwachsen. Wie Efeu. Es rankt sich überall hin und das ziemlich schnell. Offenbar ist das so mit Gefühlen, welche wichtig sind und einen wieder auf den „Plan des höheren Selbst“ bringen sollen. Wenn das so weiter geht, bin ich bald ein botanischer Garten.

Ich verstehe, warum viele es nicht wagen diesen Gedanken auszusprechen. Ich habe es ebenfalls lange nicht getan (von meinem bockigen Anfall einmal abgesehn). Zuerst ist der Gedanke, dann das Wort und dann die Tat. Würde ich darüber reden und es aussprechen, wären wir schon bei der zweiten Energie. Und was stell ich mich eigentlich so an? Er sieht gut aus, ist witzig, ein Künstler, ein toller Mensch und ich hab irgendwelche Gefühle die daraufhin deuten, dass wir nur noch befreundet sind und das für unser Wachstum die Beziehung beendet werden muss. Ich hätte am liebsten eine Telefonnummer zum Universum, dass den Überblick über mein Leben hat und das ich fragen kann, ob ich die Gefühls Hieroglyphen richtig gedeutet habe. Wenn nicht, dann wäre das nämlich echt ziemlich blöd.

Dann sehen wir uns drei Wochen nicht. Wir sind beide auf Reisen. Das wird uns gut tun. Und vielleicht hat sich das Thema dann endlich erledigt, weil ich vielleicht die Info bekomme (in Form von Gefühlen), dass durch die Reise genug Wachstum vonstatten gegangen ist und jetzt alles wieder so weiter gehen kann wie vorher. Meine Reise hat bei mir selbst auch ihre Spuren hinterlassen (Die Berichte findet ihr hier ebenfalls auf der Seite). Ich bin plötzlich so voll von mir selbst, dass ich nichts und niemanden mehr vermisse. Ok, so ganz stimmt das nicht. Ich vermisse die Küste Süd Englands. Aber ich hab ein solches Vertrauen in mich und in das Leben und so viel Klarheit, dass ich mich mittlerweile als Beobachter der Beziehung sehe. Ich habe bereits eine gewisse Distanz gewonnen und möchte jetzt wirklich wissen was dahinter steckt. Doch dazu muss ich ihn sehen.

Meine letzte Hoffnung schwindet am Flughafen.

Mein Herz weiß was zu tun ist. Das Ego hat mal wieder Angst. Doch ich habe auch aus der Vergangenheit gelernt. Standhaft bleiben. Auf sein Gefühl hören. Dann der Satz „Also sind wir kein Liebespaar mehr?“. Wir sind in der Öffentlichkeit auf dem Weg zu einem ruhigeren Ort und ich versuche die Tränen des Loslassens zurück zu halten. Bei diesen endgültigen Worten wird meine Stimme dünn und unnatürlich hoch „Nein.“ Eine letzte Umarmung. Ein Gedanke. Ich liebe dich. Nur eben nicht mehr auf der gleichen Ebene. Er geht rechts in die Straße. Ich geradeaus weiter. Tränen strömen über mein Gesicht. Ich weiß, dass ich diese wundervolle Seele nicht zum letzten Mal sehe. Mein Ego kommt ein letztes Mal hoch „Loslassen und Veränderung sind scheiße.“. Doch ich sehe auch die Liebe in der Situation und den neuen Horizont der dieser Abschied mit sich bringt. Ein Auto fährt an mit vorbei mit dem Aufdruck „Engel“ und wenige Minuten zuvor habe ich eine Frau mit einer Tasche gesehen, welche Engelsflügel aufgedruckt hatte. Alles ist wie es soll. Obwohl ich den Plan meines höheren Selbst an dieser Stelle für absoluten Mist halte. Aber ich weiß auch, dass wir erst mit etwas Abstand erkennen, wofür die Dinge die geschehen gut sind. Und so gebe ich mich voll hinein in den Fluss der Veränderung und stelle erstaunt fest, wie ich jede Emotion, jedes Gefühl, so traurig und schmerzhaft es ist, sehr genieße. Meiner kleinen masochistischen Seele gefällt das sehr!

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