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Wie viele Verletzungen kann ein Mensch ertragen?

juliesSchoenheit_024Ich glaube, dass ich schon mehrere Leben gelebt habe. Oft möchte meine neugierige Seite mehr davon wissen. Ich frage mich dann, ob meine Gedanken, Gefühle und Vermutungen stimmen, die ich zu vergangenen Leben habe. Diese blöde spirituelle Amnesie. Es ist einfach alles ausgelöscht, was wir zuvor erfahren haben. Die Menschen die wir geliebt haben, die Dinge die wir gelernt haben. Alles weg. Dabei wäre es doch so gut von ihnen profitieren zu können.  Das machen wir in diesem Leben doch auch. Wir machen Erfahrungen und daraus ergeben sich gewisse Handlungen und Reaktionen und hin und wieder optimieren wir und handeln, nachdem wir eine sogenannte schlechte Erfahrung gemacht haben, anderes als zuvor.

Doch es ist alles weg. Die Sachen die uns wichtig waren. Unsere große Liebe der wir geschworen haben sie in anderen Leben wieder zu finden…. und der Schmerz. Einfach weg…..

Welch‘ Erlösung. All die Verletzungen wurden ausradiert. Und ich bin dankbar dafür.

Ich bin 31 und habe jetzt schon das Gefühl keine weitere, größere Verletzung mehr ertragen zu können. Ich weiß, es werden noch viele kommen. Insbesondere die Verletzungen die man davon trägt wenn geliebte Menschen gehen. Sei es durch den Tod oder weil sich das Leben, Dinge, Menschen permanent verändern und es manchmal einfach nicht mehr passt. Natürlich war mein Leben nicht nur voll von Schmerz. Aber ich glaube, dass es doch etwas intensiver war und ist als so manch anderes Leben. Mittlerweile sagen sogar Freunde zu mir „Mensch, du lebst aber auch echt fünf Leben gleichzeitig.“ Und genau so fühlt es sich an.

Aber wer denkt, Verletzung könne nur von außen kommen, irrt. Jeder der sich mit spirituellen Themen beschäftigt wird nun sagen „Verletzung kommt nur von innen. Niemand hat die Macht dich zu verletzen wenn du es nicht annimmst / zulässt“. Alle die sich nicht mit spirituellen Themen beschäftigen: damit ist nicht körperlicher Mißbrauch gemeint.

Wir glauben von uns selbst immer „gut“ zu sein und „das Richtige zu machen“. Ich wage mal zu behaupten das so ziemlich die meisten Menschen nicht denken „ich bin böse, deswegen kack ich jetzt mal jedem richtig ans Bein“. Im besten Fall schließt man seinen Bauch und sein Herz in Entscheidungen mit ein und versucht das Ego und das kleine, verletzte Kind in uns von diesen auszuschließen und bei allem sehr liebevoll zu bleiben. Doch selbst wenn man dann Entscheidungen aus diesem Zustand heraus fällt, oder glaub es aus diesem Zustand heraus zu tun, bedeutet das nicht, dass niemand verletzt wird und erst recht nicht, dass man sich nicht selbst aus versehen verletzt.

Ich habe gerade alte Zeilen und Konversationen gelesen. Eigentlich nur ein paar Sätze daraus. Danach musste ich abbrechen, da sich plötzlich in meiner Brust ein so großer Schmerz ausbreitete, dass ich es kaum ertragen konnte. In diesem Fall nicht, weil ein Mensch gemein zu mir war. Sondern weil ich zu einem Menschen abweisend war und ich in dem Moment dachte, es sei so liebevoll es eben geht und auf jeden Fall das Richtige. Das Leben verändert sich und gegen Veränderung sollte man sich nicht wehren. Alles passiert aus einem Grund und alles ist gut so wie es ist. Diese Floskeln glaube ich tatsächlich und halte sie für wahr. Absurder Weise weiß ich, dass ich damals gar nicht anders handeln konnte. Was nach meinem Glauben widerum was mit den Rollen zu tun hat, die wir manchmal füreinader spielen um uns z.B. unseren unverarbeiteten Schmerz aufzuzeigen und den anderen bestenfalls zum Wachstum und zur Weiterentwicklung anzustupsen…. oder zu schubsen.

Jeder Mensch handelt in jedem Moment so gut er eben kann. Das mag aus Sicht des einen sehr gut oder auch weniger gut sein. Ich habe ebenfalls immer versucht alles so gut zu machen wie es nur geht und muss jetzt feststellen, dass es nicht gut genug war. Was mich zum nächsten großen Punkt bringt. Vergebung. Nicht nur für andere. Sich selbst zu vergeben ist wohl eine der schwersten Lektionen im Leben. Vielleicht ist das aktuell der einzige Weg aus dem Schlamassel von Verletzungen in dem wir stecken. Das innere Kind heilen, Vergebung und wirklich bedingungslos lieben lernen und liebevoll miteinander zu sein. Vielleicht ist das der einzige Weg um die ganzen Verletzungen zu überleben…. bis zum nächsten Leben.

Bis wir uns aber alle selbst geheilt und vergeben haben und super, mega erleuchtet, klug und weise sind, können wir vielleicht anfangen ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass wir alle hier auf einer Reise sind und immer so gut handeln wie es uns in dem Moment möglich ist. Das bedeutet nicht, dass wir alles hinnehmen sollen weil „die Person es ja so schwer hatte und sich selbst noch nicht geheilt oder ihr Ego noch nicht überwunden hat (wer hat das im übrigen schon)“. Aber ich bin für mehr liebevolle, bewusste Kommunikation. Sich hinzusetzen und zu sagen „Hör mal, dass hat mich verletzt weil es in mein Muster rein gehauen hat, dass ich nichts kann“ oder „Da hast du total die Stimme meiner Eltern gespiegelt“ oder vielleicht auch „Ich hab keine Ahnung was mit mir los ist, warum ich so reagieren, aber dein Verhalten löst bei mir folgendes aus.“

Damit werden wir natürlich nicht Verletzungen durch den Tod geliebter Menschen mildern oder gar verhindern können, aber doch sehr häufig Verletzungen durch Kontaktabbrüche und im Falle von Trennungen ein liebevolles Verständniss für den anderen entwickeln können. Auch wenn es sich nur um kurze Begegnungen handelt, finde ich eine offene, ehrliche Kommunikation nicht nur erstrebenswert, sondern unfassbar spannend, da es einem ein so großes Gefühl von Freiheit und Klarheit gibt. Wenn wir dann alle in der Lage sind, unser Ego und die Ängste zu erkennen und weniger darauf zu hören bzw. diese zu be- und verarbeiten, dafür mehr auf unser Herz und unsere Intuition hören, unser kleines, inneres Kind heilen und offen  und liebevoll miteinander kommunizieren – ich glaube, dass ist der Moment wo wir Frieden haben werden. Innen und außen.

 

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Comments:

  • Katharina Barnfeld

    November 16, 2016

    Was für ein schöner, berührender und so wahrer Text! Auch bei mir ist vor kurzem eine Beziehung zu Ende gegangen, die einfach aufgrund von mangelnder, wertschätzender Kommunikation zu Ende gegangen ist. Vor allem die Zeilen „das innere Kind heilen, Vergebung und wirklich bedingungslos lieben lernen und liebevoll miteinander zu sein“ versuche ich gerade verstärkt als neue Lebensphilosophie umzusetzen! Ohne dies in sich vereint zu haben als Mensch der auch wirklich schon häufig Verletzungen getragen hat, wird ein Leben im reinen mit sich selbst wohl nie möglich sein. Nicht nur dass ich das was du schreibst so zutreffend finde – auch ich mache aktuell einen weiteren Anlauf der Stoffwechselkur (auf dem Weg zur Selbstliebe) und finde deine Rezepte echt mal abwechslungsreich im Vergleich zu anderen SWK Bloggern.

    Ganz lieben Gruß,
    die Kathi 🙂

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