Zurück zu mir / Glastonbury 2017 Teil 1

Zurück zu mir / Glastonbury 2017 Teil 1

Es ist fünf Uhr Nachmittags und ich sitze im Bus von Bristol nach Glastonbury. Ich bin bereits seit 14 Stunden auf den Beinen und am reisen. Hannover – London – Bristol – Glastonbury. Ich weiß, dass ich quasi von Nordosten mich dem kleinen, schönen Dorf näher und somit irgendwann auch den Tor mit seinem St. Michael Kirchturm sehen müsste. Eine Aufregung überkommt mich und ich werde ganz hibbelig bei dem Gedanken, nach drei Jahren endlich wieder an diesem magischen Ort zu sein, von dem man sagt, dass dort der Übergang zu Avalon gewesen sein soll.

Leider trinke ich viel zu viel und bemerke viel zu spät das dies kein klassischer Reisebus inkl. WC ist. Deshalb versuche ich mich mit den Poscasts von Laura Malina Seiler (unbedingt reinhören!) abzulenken. Als schließlich der Tor (keltisches Wort für Hügel / Berg) in Sicht kommt, bin ich leider zu sehr damit beschäftigt mich zu konzentrieren die letzten Minuten zu überstehen und das einzige was ich denken kann ist „Der sieht noch verdammt weit weg aus.“. Tja, das hätte ich mir irgendwie erhabender vorgestellt.

Als dann die hängenden Blumen an den Straßenlaternen zu sehen sind, geht mir dennoch ein wenig das Herz auf. Ich bin wieder da. Als erstes geh ich zum Italiener auf der anderen Straßenseite, in dem ich vor drei Jahren mit der Reisegruppe gegessen habe und erleichtere meinen Körper um gefühlt einen Liter Flüssigkeit. Danach kann ich aufatmen und den Ort bewusst genießen. Ich laufe mit einem breiten Grinsen im Gesicht durch den Ort und mache mich auf dem Weg zu dem ersten Gasthaus in dem ich übernachte. Dieses ist das Camelot Retreat. Etwas weiter außerhalb, was in Glastonbury heißt, ca 12 Gehminuten vom Zentrum entfernt.

Dort angekommen werde ich direkt herzlich empfangen und eingeladen eine Runde im Wohnzimmer zu meditieren. Mein Herz rast weil ich gerade meine ganzen Sachen einen Berg hochziehen musste und so nehme ich das Angebot an. Kann ja nicht schaden. Im Wohnzimmer liegt ein riesiger Bergkristall in der Mitte und ich habe direkt das Gefühl, dass mir diese Reise sehr gut tun wird.

Gegen 19 Uhr gehe ich mit einem Paar aus Malaga, welches auch in dem Haus übernachtet, rauf zum Tor. Mein Tempo ist etwas schneller und am Fuße angekommen entschließe ich mich dazu, meinem eigenen Tempo zu folgen, schließlich sieht man sich ja wieder oben. Trotzdem plagt mich mein schlechtes Gewissen. Oben angekommen ist es unerwarteter Weise windstill. Normalerweise weht dort eine steife Brise, wie der Norddeutsche so schön sagt. Ich setze mich an den Turm, schaue Richtung Sonnenuntergang, welcher noch zwei Stunden entfernt ist. Als das Pärchen oben ankommt, geben sie mir eine kleine Packung Kekse, schauen sich um und setzen sich dann an den Rand der Wiese. Und da ist es wieder. Das schlechte Gewissen. Müsste ich mich jetzt zu ihnen setzen? All dies erscheint völlig absurd. Aber das ist der Moment in dem ich realisiere, dass ich aufgrund meiner privaten Situation völlig aus der Balance geraten bin. Ich habe das Gefühl, dass ich mein authentisches ich ziemlich lange versucht habe zu unterdrücken oder zumindest nicht voll auszuleben, was in mir auf Dauer zu einer großen Frustration geführt hat. Ich hab das Gefühl ich müsse mich anpassen, zusammenreißen um akzeptiert zu werden und vor allem hab ich das Gefühl, doch eigentlich längst schon viel weiter zu sein mit diesen Themen. Wie konnte ich solche Rückschritte machen?

Es gibt einen Spruch der lautet wie folgt: „Lache nie jemanden aus, der einen Schritt zurück macht. Er könnte Anlauf nehmen.“. Nur ist das keine bewusste Entscheidung und ich fühle mich in dem Moment einfach nur verwirrt und traurig. Wie ist es soweit gekommen, dass ich nicht mal mehr weiß, wie man ganz normal mit Menschen umgeht? Ich fühle mich als ob ich in einer Rolle stecke, die darauf gepolt ist, anderen zu gefallen, nett zu sein, interessiert und aufmerksam, auch wenn man sich gerade eigentlich nach etwas anderem fühlt. Damit meine ich nicht, das ich mich manchmal fühle als wolle ich ein Arsch sein, aber manchmal, wie in dem Fall auf dem Tor, möchte ich einfach nur mit mir selbst sein und dann ist es mir zu viel wenn andere dazu kommen. Zu dem Thema Hochsensibilität wird es demächst auch noch mal was von mir geben.

Am nächsten Morgen packe ich meinen Rucksack um den ganzen Tag unterwegs sein zu können. Diese Orte wie Glastonbury sind für mich wie Pilgerstätten und du wirst so viele Inspirationen und Impulse in Form von Gesprächen und Erlebnissen bekommen, dass du nach kürzester Zeit mehr Klarheit über dein Leben hast. Und so startet der Tag mit einem emotional aufwühlendem Gespräch mit der Frau, die gerade auf das Haus aufpasst und sogar deutsch sprechen kann. Ich glaube, dass uns hin und wieder Menschen geschickt werden um uns Botschaften zu übersenden und ihre ist sehr klar, wofür sie sich direkt entschuldigt und sagt, dass sie sich eigentlich nicht so einmischen würde. Manchmal spricht das Universum aus uns zu anderen.

Im Zentrum von Glastonbury angekommen, stöbere ich erst ein wenig und merke schnell, dass ich immer noch extrem unsicher im Umgang mit Menschen bin. Ich hab Tränen in den Augen und frage mich, wie das passieren konnte. Das passt doch eigentlich gar nicht zu mir. Ein Bild das ich vor der Reise im Kopf hatte war, dass ich Stunden im Park der Glastonbury Abbey an einem ganz bestimmten Punkt verbringe, wo die Leylinie (Kraftlinie der Erde) verläuft und einfach nur dort bin. Da ich gerade also eh nicht wirklich bereit für die Welt bin, gehe ich also in die Abbey, lege mich ins Gras, trage meine ätherischen Öle auf und bin einfach nur da.

Ich merke nach kurzer Zeit wie ich ganz ruhig werde. Es fühlt sich an als sortieren sich in mir die Puzzle Teile die ich versetzt habe wieder an die richtigen Stellen. Ich bin überrascht wie schnell das mal wieder an diesem Ort geht. Schon vor drei Jahren habe ich ähnliches erlebt. Gegen Mittag fühle ich mich dann bereit einen Ort weiter zu fahren. Nach Wells. Die kleinste englische Stadt mit einer ziemlich mächtigen Abbey. Ich glaube das ist die größte Kathedrale, nicht von der Höhe vielleicht, aber von ihren Ausmaßen, die ich je gesehen habe. Wenn ihr mal dort hin fahren solltet, ist Wells auf jeden Fall einen Besuch wert. Danach fahre ich zurück nach Glastonbury, hole mir was zu essen und setze mich erneut in den Abbey Park.

Der Wecker klingelt um 4 Uhr morgens. Mit Absicht. Ich möchte den Sonnenaufgang vom Tor aus sehen. Vor drei Jahren hat mir das so viel Kraft gegeben an dem Tag. Als ob die ersten Sonnenstrahlen in Kombination mit diesem Ort meine Batterien voll aufladen würden. Allerdings ist es bewölkt, was meinem inneren Schweinehund sehr entgegen kommt. Ich behalte das Fenster trotzdem im Auge und schlafe nicht noch mal ein. Von Minute zu Minute klart der Himmel weiter auf. Da ich aber von meinem Bett aus den Tor mit seinem Kirchturm sehen kann, beschließe ich mir das Ganze doch vom Bett aus anzusehen. Der Himmel legt an diesem Morgen so richtig los und ein wenig bereue ich es, nicht dort oben gewesen zu sein. Aber immerhin kann ich so sagen, dass ich das Ganze vom Bett aus beobachten konnte. Gegen halb sechs schlafe ich wieder ein.

Nach dem Frühstück packe ich wieder meinen Rucksack um für den ganzen Tag vorbereitet zu sein und mache mich auf dem Weg zum Chalice Well Garten. Da dieser jedoch erst um 10 Uhr aufmacht und es viertel vor ist, gehe ich an der Mauer entlang, biege die nächste Straße links ab und gehe zur weißen Quelle. Dieser, sowie der roten Quelle direkt gegenüber, wird eine Heilwirkung nachgesagt und viele Anwohner kommen regelmäßig mit großen Kanistern an um sich ihren Wochenvorrat an frischem Quellwasser direkt dort zu holen. Die rote Quelle enthält Eisen und schmeckt dementsprechend. Das Wasser der weißen Quelle schmeckt mir persönlich besser und so fülle ich meine Flasche auf, wasche meine Hände und lasse das Wasser über meine Handgelenke und Unterarme laufen.

Zurück im Chalice Well Garten gehe ich relativ zielstrebig auf die etwas höher gelegene Wiese und lege mich ins Gras. Witziger Weise habe ich hier die gleiche Empfindung wie drei Jahre zuvor. Es zieht an meinen Zähnen und ich habe das Gefühl, ich sollte das restliche Amalgan entfernen. Damit hatte ich nach meiner letzten England Reise angefangen, aber dann irgendwann nicht weiter gemacht. Irgendwie scheinen aber ziemlich viele Menschen, auch größere Reisegruppen, unterwegs zu sein, so dass ich relativ schnell den Garten verlasse und noch einmal in den Shop schaue. Dort fiinde ich eine wunderschöne Mondkette, beschließe aber sie mir erst zu kaufen, wenn sie mir bis Sonntag nicht mehr aus dem Kopf geht.

Ich beschließe wieder in die Abbey zu gehen. Dort gibt es auch eine Frauen Kapelle, welche eine ausgesprägte Marienenergie hat. Drei Jahre zuvor wurde dort gebaut und restauriert, heute ist alles frei zugänglich. Also gehe ich runter zu dem Altar und setze mich auf die Bank welche seitlich vor dem Altar ist, schließe die Augen und dann geht es los….

 

 

 

 

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